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Slartibartfast Funzi



Diese Website widmet sich einem wenig beachteten Thema: der Synchronisation von Filmen. Anders als in den meisten anderen Ländern befinden wir uns in Deutschland in der bequemen Lage praktisch jeden Film in unserer Muttersprache sehen zu können. Fast alle ausländischen Filme bei uns werden synchronisiert. Obwohl die Synchronisation dem Film viel von seinem Flair und seiner künstlerischen Authentizität nimmt, ist das Massenpublikum an deutsche Sprachfassungen gewöhnt. Es gibt durchaus Fälle, in denen ein Film in der Synchronisation besser oder zumindest interessanter ist. Leider trifft für einen mindestens genau so großen Teil eher ein Robert Lemke-Zitat zu, wonach die Synchronisation "die späte Rache an den Alliierten" ist.

Viele Leute stehen deutschen Synchronfassungen kritisch gegenüber. Sie argumentieren, dass das Original ohnehin nie zu erreichen sei und man in anderen Ländern - wie Schweden oder Finnland - auch ohne Synchronisation auskomme. Dort gelange der Film zum einen "unverfälscht" in die Kinos und zum anderen verbesserten sich auch die Fremdsprachenkenntnisse der Zuschauer. Alles richtig.

Man sollte aber keinesfalls vergessen, dass ein synchronisierter Film von deutlich mehr Leuten konsumiert werden kann und wird. Darüber hinaus gibt es in Originalfassungen immer wieder Details, die - falls man nicht gerade gebürtiger Amerikaner ist - erst durch die Synchronisation verständlich werden. Gerade in solchen Fällen zeigen sich dann die Unterschiede zwischen einer gelungenen und einer lieblosen deutschen Bearbeitung. Wer sich der Verantwortung beim Synchronisieren bewusst ist - ob nun Synchronsprecher, Übersetzer, Texter, Cutter oder Dialogregisseur - der trägt letztendlich auch dazu bei, dass ein Film in Deutschland so verstanden wird, wie er im Original gedacht war.

Keine Alternative zur Synchronisation ist es, die Dialoge eines Films einfach nur zu untertiteln, obwohl dies von Synchrongegenern häufig gefordert wird. Für die Untertitel stehen üblicherweise nur zwei kleine Zeilen zu Verfügung - zu wenig für eine 1:1-Übersetzung des Originals. Die Folge ist eine Raffung der Dialoge auf das "Wesentliche", das heißt, die Übersetzung wird hier auf eine völlig abstrakte "Verständnishilfe" reduziert. Die Sprachbarriere, die Crux jeder Übersetzung, kommt hier sogar noch stärker zum Ausdruck. Ein für eine Synchro unübersetzbarer Dialog bleibt auch bei einer untertitelten Fassung unübersetzbar; nur fällt hierbei zusätzlich die Möglichkeit weg, eine Stelle neutral zu belegen oder eigene Ideen einzubringen. Somit offenbaren Untertitel ständig ihr Unvermögen, den Zuschauer tatsächlich ohne jede Einschränkung am Original teilhaben zu lassen, wie gern behauptet wird. Darüber hinaus können Untertitel die Bildkomposition nachhaltig zerstören (man stelle sich eine düstere halbdunkle Szene mit grellen weißen Untertiteln vor!). Hinzu kommt noch, dass das ständige Lesen den Zuschauern eine permanente Konzentration abverlangt, was die meisten ablehnen. Das Publikum sollte die Möglichkeit haben, die Handlung erzählt zu bekommen, und sie nicht lesen zu müssen.

Ganz falsch ist das Argument, dass eine Synchronisation immer aufgesetzt und unglaubwürdig ist, wie man es aus den USA häufig hört. Viele Amerikaner denken bei dem Thema an die alten japanischen GODZILLA-Filme, die mit krudesten Mitteln englisch übersprochen wurden. Die Lippen der Darsteller bewegten sich weiter, auch wenn die Dialoge längst zu Ende waren, die Atmosphäre war die eines Tonstudios und die Texte wurden teilweise ohne Kenntnisse der Originalfassung erstellt. So erklärt sich, dass in den USA statt "Synchronisation" (das Wort muss dort geradezu paradox wirken) der abwertende Begriff "Dubbed Versions" benutzt wird. Obwohl es einige ins Englische synchronisierte Filme gibt (z.B. LOLA RENNT, ANATOMIE, DAS LEBEN IST SCHÖN, DER SCHUH DES MANITU) dreht man in den USA lieber den ganzen Film neu, als auf die Vermarktung fremdsprachiger Erfolge zu setzen.

Hierzulande weiß man es besser: Einen Film überzeugend zu synchronisieren ist möglich, jedoch bedarf es eines enormen Aufwandes und viel Geschicklichkeit. Als erstes muss eine Übersetzung erstellt werden, deutsche Schauspieler müssen den übersetzten Originaltext nachsprechen (und vor allem auch spielen), Geräusche müssen häufig neu erzeugt werden, und schließlich muss die deutsche Tonspur richtig auf die Lippenbewegungen gesetzt werden, bis eine glaubwürdige deutsche Fassung entstanden ist.

Dies alles geschieht unter enormem Zeitdruck. Bei einem zweistündigen Kinofilm hat das Studio oft nicht einmal eine Woche dafür Zeit. Nicht zuletzt aufgrund der langjährigen Erfahrung im Synchrongewerbe ist es dennoch möglich unter solchen Bedingungen zu arbeiten.

Die Konkurrenz auf dem Synchron-Markt ist groß. Deutsche Synchronstudios gibt es vor allem in Berlin, München und Hamburg. Im Augenblick teilen sich München und Berlin den Markt. Weil viele Studios für Nebenrollen aus Kostengründen meist Sprecher aus dem Umkreis engagieren, erkennt man vor allem an ihnen, in welcher Stadt die Synchronfassung entstanden ist. Da Zeit bekanntlich Geld ist, müssen die Synchronschauspieler unglaublich flexibel sein. Wer zu lange für seine Takes braucht, ist schlecht fürs Geschäft.

Ein entscheidender Punkt ist die Übersetzung der Dialoge, die immer wieder zu wünschen übrig lässt. Übersetzungsfehler oder Vergewaltigungen der deutschen Sprache sind keine Seltenheit. Hinzu kommen redaktionelle Änderungen des Originals an Stellen, die vom Texter "zum besseren Verständnis" vorgenommen wurden. Einige davon mögen sinnvoll sein, häufig wird der Zuschauer aber schlicht unterschätzt.
Oft fragt man sich, wieso nicht wenigstens die Sprecher schlecht übersetzte Dialoge korrigieren. Bei knapp zwei Minuten Vorbereitungszeit haben diese aber kaum die Chance Übersetzungsfehler zu beanstanden.

Originaltreue Dialoge sind allerdings für eine erfolgreiche Synchro nicht zwingend nötig. Dies bewiesen vor allem viele deutsche Dialogbücher aus der Feder der beiden Synchronbuchautoren Rainer Brandt und Karlheinz Brunnemann, deren humorvoller Stil in den 70er und 80er Jahren groß in Mode war und auch andere Kollegen beeinflusste. Bei TV-Serien wie Die Zwei (mit Roger Moore und Tony Curtis) oder den berühmt-berüchtigten Italo-Western mit Terence Hill und Bud Spencer legten die kreativen Herren den Figuren jede Menge lockere Sprüche in den Mund, die nichts mehr mit dem Original zu tun hatten, vom deutschen Publikum aber begeistert aufgenommen wurden. Um den Humor auch dort unterzubringen, wo er eigentlich gar nicht hingehörte, ließ man zahlreiche zusätzliche Sätze aus dem Off einsprechen und kürzte alle zu gewalttätigen Szenen heraus. Das Ergebnis war ein komplett anderer, jedoch ebenso stimmiger Film, der es durchaus verstand das Publikum zu unterhalten.

Die Neuaufnahme der Dialoge in der Muttersprache der Zuschauer stellt keineswegs die gesamte Bandbreite der lokalen Bearbeitung dar. So gehörte zu einer kompletten deutschen Bearbeitung früher auch der Austausch von wesentlichen Texten in Nahaufnahmen (z.B. bei Schildern, Briefen oder Zeitungen) durch eine neugedrehte deutsche Bildversion. Solchen Aufwand betreibt man heute nur noch ganz selten. Spielt der Inhalt solcher Texte eine wichtige Rolle, weicht man heute eher auf das Mittel der Untertitelung oder einer so genannten "Gedankenstimme" aus.
Es gibt aber auch Szenen, die sich überhaupt nicht angemessen lokalisieren lassen, wie zum Beispiel in PULP FICTION, wo Uma Thurman John Travolta einen "Spießer" nennt, indem sie mit der Hand die Konturen eines Quadrats beschreibt. Square, das englische Wort für Quadrat, wird nämlich auch in dieser Bedeutung verwendet. Eine solche Szene ist durch keine gängige Methode ins Deutsche zu transportieren.

Von hoher Bedeutung für die deutsche Fassung ist die Stimmenauswahl. Obwohl es eher selten vorkommt, dass eine Stimme überhaupt nicht passt, geschieht es häufig, dass Sprecher scheinbar willkürlich ausgetauscht werden. So bleiben Schauspieler, die jedes Mal anders klingen, natürlich weniger gut im Gedächtnis. Ein Newcomer erhält oftmals erst dann eine feste Stimme, wenn er mehrmals eine Hauptrolle gespielt hat.

Dass Änderungen in der Kontinuität überhaupt als so negativ empfunden werden, liegt vor allem daran, dass Filme und Serien mehr sind als Geschichten in bewegten Bildern. Der Konsument konzentriert sich nicht allein auf die Handlung (was theoretisch bei jedem beliebigen Voicecasting möglich wäre), sondern will seine Lieblingsschauspieler wiedersehen. Ein solcher von den Produzenten durchaus angestrebter "Starkult" macht eine kontinuierliche Synchronstimme unbedingt erforderlich, wenn er auch hierzulande funktionieren soll.
Auch die Filme selbst verlassen häufig die Meta-Ebene des reinen Erzählens. So wird die von der Filmindustrie geschaffene Popkultur permanent von ihr selbst zitiert. Dies beschränkt sich nicht nur auf das Einspielen von Filmausschnitten aus anderen Werken. Es gibt sogar Fälle, wo Filmfiguren (meist humorvoll) auf frühere Rollen des jeweiligen Darstellers Bezug nehmen. Solche Szenen haben in der deutschen Fassung nur die gewünschte Wirkung, wenn sich sowohl der deutsche Text als auch das Voicecasting an dem zitierten Werk orientieren.
In dem Film MAVERICK steht beispielsweise Mel Gibson in einer Szene Danny Glover, seinem Partner aus LETHAL WEAPON, gegenüber. Weil beide Schauspieler einen anderen deutschen Sprecher haben, bleibt dem deutschen Zuschauer leider verborgen, weshalb Gibson glaubt, Glovers Gesicht zu kennen.
Zu Beginn von DIE CONEHEADS läuft im Hintergrund eine Folge aus der Serie RAUMSCHIFF ENTERPRISE, die leider mit neuen deutschen Sprechern vertont wurde, anstatt die Tonspur der Originalsynchronisation zu benutzen. Da die Szene nur zu hören und nicht zu sehen ist, entgeht dem deutschen Zuschauer dieses Detail leider völlig.

Häufig kommen Änderungen im Voicecasting einfach nur deshalb zustande, weil der bisherige Sprecher nicht verfügbar ist (so konnte Manfred Lehmann in STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT Bruce Willis nicht sprechen, da er für eine Serie vor der Kamera stand.)
Besonders kritisch sind Umbesetzungen, wenn sie nur geschehen, um Einzelnen einen Vorteil zu sichern, wie es bei dem Hitchcock-Klassiker DER UNSICHTBARE DRITTE passiert sein soll. Der damalige Leiter der MGM-Synchronabteilung Erik Ode besetzte sich kurzerhand selbst für die von Cary Grant gespielte Hauptrolle, während dessen Stammsprecher Curt Ackermann trotzdem in einer Nebenrolle zu hören ist. Da es sogar gemeinsame Dialoge beider Figuren gibt, kommt es zumindest in diesen Szenen zu einer höchst ärgerlichen Verwirrung beim Zuschauer.
Es gibt auch Fälle, in denen sich die Sprecher plötzlich von einer Stammrolle zurückziehen (wie etwa Stephan Schwartz, der frühere Sprecher von Tom Cruise). Oft erhalten Hauptdarsteller auch andere deutsche Stimmen, wenn ein Film statt in Berlin einmal in München synchronisiert wird oder umgekehrt, wie z.B. bei Gene Hackman: Hartmut Neugebauer [München] und Klaus Sonnenschein [Berlin]. Noch schlimmer erging es Samuel L. Jackson, der zuerst in jedem seiner Filme eine andere Stimme hatte, bis man sich endlich auf Engelbert von Nordhausen einigte. Seltener besteht auch der Verleih einmal auf einer Umbesetzung Ein aktuelles Beispiel ist die Umbesetzung von Johnny Depps Stammsprecher David Nathan in FLUCH DER KARIBIK. Dem Verleih gefiel seine Interpretation der Rolle nicht, weshalb der Münchner Schauspieler Marcus Off dafür engagiert wurde.

Immer öfter achten die Regisseure selbst auf die Synchronisation, wie z.B. Stanley Kubrick. Er wählte stets die deutschen Sprecher für die Hauptrollen seiner Filme selbst aus, so etwa Patrick Winzcewski als Tom Cruise in EYES WIDE SHUT oder auch Jörg Pleva für Malcom McDowell in UHRWERK ORANGE, der auch Jack Nicholson in SHINING synchronisierte. Ähnlich bei Regisseur Steven Soderbergh, der Detlef Bierstedt als Stimme für George Clooney als unpassend empfand, weshalb er für Clooney in seinen Filmen stets den Münchner Schauspieler Martin Umbach verpflichten ließ, der in der Tat dem Original näher kommt.

Manchmal kommt es vor, dass zwei Schauspieler, die den gleichen deutschen Sprecher haben, im selben Film auftreten. In DER SCHMALE GRAT sind sowohl John Travolta und Nick Nolte dabei, die beide üblicherweise von Thomas Danneberg gesprochen werden. Um Verwirrungen zu vermeiden, wurde Noltes Part von Hans-Werner Bussinger übernommen. Gleiches Problem in MISSION TO MARS: Gary Sinise hat wie üblich die Stimme von Tobias Meister, während er bei Tim Robbins durch Stefan Fredrich ersetzt wurde. Diese "Zweitbesetzung" erhielt Robbins erneut in MYSTIC RIVER, weil Tobias Meister bereits Sean Penn sprechen musste. Dennoch gibt es Beispiele, dass ein Sprecher mehrere Stammbesetzungen in ein und demselben Film wahrnimmt. In der Neuverfilmung von IN 80 TAGEN UM DIE WELT von 2004 durfte Thomas Danneberg sowohl Arnold Schwarzenegger als auch John Cleese sprechen - was zugegebenermaßen nur möglich war, weil beide nie in der gleichen Szene auftreten.

Ganz tragisch ist es, wenn ein Synchronsprecher verstorben ist. Viele Sprecher, deren Karriere in den schon 60er- und 70er-Jahren begann, weilen heute leider nicht mehr unter uns. Für diese "alte Garde" Ersatz zu finden, ist natürlich fast schon ein Ding der Unmöglichkeit. So konnten sich die Studios nach dem Tod von Gert-Günther Hoffmann, der langjährigen Stimme von Sean Connery, einfach nicht einig werden, wer dem schottischen Mimen fortan seine Stimme leihen sollte.

Großen Unmut bereiten in letzter Zeit Neusynchronisationen einiger Filme, meist im Zusammenhang mit einer DVD-Veröffentlichung. Wegen zusätzlicher Szenen oder zur Aufbesserung der Tonqualität kommt es zuweilen vor, dass ein Verleih bereits synchronisierte Filme neu eindeutschen lässt. Ungeachtet der Qualität der teilweise sehr gelungenen Neubearbeitungen missfällt den meisten Konsumenten ein solches Vorgehen. Die Macht der (Hör-)Gewohnheit ist eben stärker, als manchen Verleihern bewusst ist. Um Fans des Mehrkanal-Surroundtons und Nostalgiker gleichermaßen zufrieden zu stellen wäre es ein leichtes, beide Synchronfassungen auf diese DVDs aufzuspielen, was leider nur ganz selten vorkommt.

Viele Schauspieler haben sich auf das Synchronisieren spezialisiert, so dass ihre eigenen Namen oft völlig unbekannt sind. Die Synchronisation gilt zwar als Selbstverständlichkeit. Da sie aber nur perfekt ist, wenn sie nicht auffällt, nimmt sie auch kaum einer wahr. Aus diesem Grund sei diese Homepage dem "Schwarzen Gewerbe", der Synchronisation, gewidmet, auf dass die Damen und Herren Synchronschauspieler dadurch vielleicht ein wenig mehr Anerkennung bekommen mögen. Letztere bitte ich auch zu verzeihen, dass ich sie des öfteren ganz profan als "Sprecher" bezeichne, was ihre Arbeit in keinster Weise schmälern soll.

Meine Synchronkartei habe ich lange Jahre erstellt und ich aktualisiere sie regelmäßig. Die Quellen sind in erster Linie meine Ohren, aber natürlich auch die zahlreichen Mails sowie die wenigen Filme, bei welchen die Sprecher im Abspann genannt werden. Hinzu kommen noch Zeitungsartikel, Hörspielkassetten und TV-Auftritte von Sprechern (ja, das gab es wirklich mal...).

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